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Plastik in Armaturen? Vorsicht! Da bilden sich gefährliche Biofilme

Foto: St. Marienwörth

Eine konsequent durchgeführte Krankenhaushygiene ist Bestandteil des Qualitätsmanagements des Krankenhauses St. Marienwörth. Moderne Krankenhausmedizin erbringt Spitzenleistungen, die vor etlichen Jahren noch undenkbar waren. Je komplexer und aufwändiger die Behandlungsmethoden werden, desto größer wird jedoch die Gefahr von im Krankenhaus erworbenen Infektionen, so genannten „nosokomialen Infektionen“. Von zentraler Bedeutung ist es, Komplikationen dieser Art zu verhindern. Krankenhaushygiene auf höchstem Niveau soll dies gewährleisten.
Kai-Uwe Pflügl ist Hygienefachkraft und Abteilungsleiter „Hygiene“ des Onkologischen Schwerpunktkrankenhauses St. Marienwörth in Bad Kreuznach. Im folgenden ist ein Interview wiedergegeben, das der CareTRIALOG im Januar dieses Jahres erstveröffentlicht hat.

Krankenhausinfektionen und resistente Krankheitserreger sind in ganz Europa ein ernst zu nehmendes Problem. Jährlich erkranken in Deutschland an die 600.000 Patienten an Krankenhausinfektionen, die zum Teil vermieden bzw. beeinflusst werden können. Etwa 10.000 bis 15.000 Menschen versterben laut aktuellen Schätzungen aus Studien jedes Jahr in Deutschland an Krankenhausinfektionen.

Was sind die wichtigsten (oder sogar einfachsten?) Maßnahmen zur Kontrolle, Bekämpfung und Prävention von nosokomialen Infektionen?

Kai-Uwe Pflügl: Krankenhausinfektionen sind die durch Krankheitserreger hervorgerufene Infektionen, die im ursächlichen Zusammenhang mit einer Krankenhausbehandlung stehen, unabhängig davon, ob Krankheitssymptome bestehen oder nicht. Aber ebenso ungeklärt ist häufig die Ursache dieser Infektionen. Ein Teil der Infektionen geht primär vom Patienten selbst aus; ein anderer Teil, den es zu vermeiden gilt, wird übertragen. Hierbei spielen Hände des Personals und Mitpatienten oder nicht ausreichend desinfiziert Flächen eine große Rolle. Dies sind aber auch gleichzeitig die Ansätze, die das Team der Krankenhaushygiene in erster Linie hat. […]

Beim Thema Hygiene – sowohl in Krankenhäusern als auch in Pflegeheimen – geht es immer wieder um das Thema Trinkwasserquellen und -installationen: Welche hygienischen Standards (betrieblich-organisatorisch und baulich-funktionell) sollten hier in jedem Fall angewendet werden bzw. sind empfehlenswert?

Kai-Uwe Pflügl: Trinkwasser in Deutschland ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel. Die Wasserwerke liefern Wasser, das nach der Trinkwasserverordnung von einwandfreier Beschaffenheit sein muss. Da aber der Wasserversorger seine Zuständigkeit an der Wasseruhr verliert, muss nach eben genannter Verordnung der Betreiber weiter für die Reinheit sorgen.
Das hausinterne Rohr- und Leitungsnetz von größeren Einrichtungen ist häufig sehr komplex und unübersichtlich. In älteren Häusern kann mit toten Leitungen gerechnet werden. In ihnen stagniert das Wasser – und gerade dort ist eine Vermehrung von Erregern möglich. Diese Totleitungen sind unbedingt zu vermeiden – und sind im besten Fall zurückzubauen. Ebenso ist die tägliche Nutzung der Wasserauslässe zu beachten. Ist dies nicht gewährleistet, so ist die Nutzung zu simulieren. Am Besten empfiehlt es sich einen Wasserspülplan zu erstellen und zuständige Personen zu bestimmen, die diese Spülungen durchführen. Hierbei sollten Berufsgruppen und nicht einzelnen Personen bestimmt sein; somit wäre auch gleichzeitig ein Ausfall von einzelnen Personen kompensiert.

Ferner spielt die korrekte Temperatur des Wassers eine entscheidende Rolle. Kaltwasser soll kalt sein und Warmwasser warm. Die Problematik der Legionellen im Warmwasser und diverser Erreger im Kaltwasser ist hinreichend bekannt. Und als letzten Punkt muss bei der Wasserversorgung auf die Wasserhähne geachtet werden. Über diese Armaturen können beispielsweise auch durch unsachgemäße Nutzung Krankheitserreger übertragen werden.

Welche Produkte an Wasserarmaturen sind bei Ihnen konkret im Einsatz?

Kai-Uwe Pflügl: Es hat sich glücklicherweise nicht nur durch die Praktikabilität, sondern auch durch gewisse gesetzliche Vorgaben, wie z. B. die TRBA 250 (Technische Regel für biologische Arbeitsstoffe), die Einhebelmischbatterie durchgesetzt. Wobei diese technische Regel zusätzlich noch vorgibt, dass die Armaturen mit einem verlängerten Hebel versehen sein soll, damit ein Handkontakt vermieden werden kann. Im Krankenhaus sollten nicht nur Einhebelmischer, sondern in sensiblen Bereichen auch Thermostate (Verbrühungsschutz) eingesetzt werden. Gerade in Patientenduschen müssen diese einen Verbrühungsschutz gewährleisten. Hierzu sei jedoch anzumerken, dass einem Spülplan folgend, die ausführende Person die Spülung auf maximaler Temperatur durchführen soll.

Und wo werden diese Armaturen eingesetzt?

Kai-Uwe Pflügl: Es empfiehlt sich, aus besagten Gründen im gesamten Krankenhaus Einhebelmischbatterien einzusetzen. Es gibt von verschiedenen Herstellern noch längere Bedienelemente, die vorwiegend aber in speziellen Bereichen, wie z. B. an Handwaschplätzen im OP oder in der unreinen Seite einer Sterilisationsabteilung, eingesetzt werden.

Welche Armaturenarten/-formen und welche Materialien unterstützen die Hygiene und Trinkwasserqualität aus Ihrer Sicht am besten?

Kai-Uwe Pflügl: Es sollte meiner Ansicht nach darauf geachtet werden, dass die Armaturen keine Schwermetalle abgeben. Hierbei ist man als Anwender natürlich auf die Bekundungen der Hersteller angewiesen. Ebenso sollte natürlich kein Nickel in den Wasserwegen verarbeitet worden sein. Bei diesem Kriterium steht aber die allergieauslösende Eigenschaft im Vordergrund.
Weiterhin bin ich mittlerweile vorsichtig geworden, wenn in Armaturen Material wie Plastik verbaut worden ist. Keime haften sich gerne an Plastik an und können dort einen Biofilm bilden, von dem ständig Keime ans Wasser abgegeben werden.

Welche rechtlichen Aspekte (z. B. Trinkwasserverordnung, Infektionsschutzgesetz etc.) sind zu berücksichtigen?

Kai-Uwe-Pflügl: Wie Sie selbst bereits sagten steht über allem steht das Infektionsschutzgesetz und die Trinkwasserverordnung. Weiterhin gibt es unzählige DINs, wie die 1988, die sich mit den technischen Regeln für Trinkwasserinstallationen beschäftigt oder verschiedenen Regelwerken der Fachgesellschaften. Hier sollte exemplarisch das Arbeitsblatt W551 der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches e.V. angeführt werden. Dieses Arbeitsblatt beschäftigt sich mit den technischen Maßnahmen zur Vermeidung des Legionellenwachstums und der Planung, Errichtung, Betrieb und Sanierung von Trinkwasserinstallationen. Und natürlich gilt für den Bereich der Krankenhäuser und Pflegeheime auch die TRBA 250, die u. a. die Ausstattung der Wasserhähne beschreibt.

Wie sollte aus Ihrer Sicht hinsichtlich der Wasserinstallation ein gut funktionierendes Hygienemanagement (Prüfkriterien) in einer Klinik aussehen, und wie kann die Struktur- und Prozessqualität kontrolliert und sichergestellt werden?

Kai-Uwe Pflügl: Natürlich müssen regelmäßige Trinkwasserkontrollen durchgeführt werden. Da der öffentliche Gesundheitsdienst in die Überwachung der Trinkwasserinstallation der Einrichtungen eingebunden ist, empfiehlt es sich hierbei – nach Rücksprache mit dem zuständigen Gesundheitsdienst – Intervalle zur Beprobung und die Menge der Wasserproben festzulegen. Als Anhaltspunkt wird davon ausgegangen, dass an jedem Strang an der weitest entferntesten Stelle jeweils eine Kalt- und eine Warmwasserprobe entnommen werden soll. Die Häufigkeit dieser Abnahmen ist bestimmt durch den Risikofaktor einer einzelnen Abteilung.

Tanja Ehret

Autor Tanja Ehret

Gründerin und Chefredakteurin vom CareTRIALOG. Hamburg. Expertin für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit und hat in den letzten Jahren die unterschiedlichsten Projekte im Altenwohn- und Pflegeumfeld realisiert.

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