Transparenzverpflichtung bei Trinkwasserhygiene auch für private Anlagenbetreiber

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Ein Gastbeitrag von Siegfried Gendries, Mitglied im Expertenbeirat der Partner für Wasser

Die Umsetzung der neugefassten Europäischen „Richtlinie über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch“ (kurz „EU-Tinkwasserrichtlinie„) ist in vollem Gange. Aus mehreren Gründen ist es wichtig, höchste Qualitätsanforderungen an das beim Endverbraucher über Armaturen abgegebene Trinkwasser zu stellen. Die menschliche Gesundheit steht an oberster Stelle. Es ist aber auch ein wichtiger ökologischer Aspekt dabei, wenn Trinkwasser aus dem „Hahn“ kommt und nicht erst in Flaschen abgefüllt und über viele Kilometer weit transportiert werden muss.

Worum geht es jetzt hier konkret?

Politik und Kampagnen von Wasserwirtschaft und Kommunen promoten richtiger Weise das qualitativ hochwertige Leitungswasser in Deutschland. Das scheint zunehmend zu fruchten, wie die Resonanz der Medienberichterstattung und Befragungen wie das neue Kundenbarometer zeigen. Gleichzeitig schlägt sich auch die im Zuge des vorsorgenden Gewässerschutzes erforderliche Aufklärung über die Wasserverschmutzung durch Landwirtschaft, Mikroplastik und Spurenstoffe nieder. Genau diese Warnungen und die mediale Darstellung werden von den Point-of-Use-Filtersystemen instrumentalisiert, um mittels „Angst-Werbung“ Marketing zu betreiben. Das geht klar zu Lasten des Qualitätszuspruchs beim Leitungswasser. Das Problem der Qualität entsteht eigentlich in den Hausinstallationen. Das hängt mit dem Zustand mancher Systeme, deren Wartung oder Betrieb zusammen. Damit wird das Leitungswasser zusätzlich diskreditiert.

Während die öffentlichen Versorger mit Hilfe ihrer Qualitätsdaten und der Begleitkommunikation sowie der zu erwartenden Transparenzanforderungen der EU-Trinkwasserrrichtlinie diese Sorgen entkräften können, bleiben die Hausinstallationen für die Verbraucher eine „Blackbox“. Das belegen auch die Rückmeldungen, aus verschiedenen Verbraucherzentralen, wo nicht die Qualität des Wasserversorgungsunternehmens (WVU) die Sorgen der Nachfrager auslöst, sondern die der Hausinstallationen. Dazu zählen nicht nur Wohngebäude, sondern auch oder insbesondere Einrichtungen wie Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Schulen, Sporteinrichtungen etc.

Wie kann damit umgegangen werden? 

Die Partner für Wasser plädieren dafür, die im Zuge der Umsetzung der EU-Richtlinie anstehende Novellierung der Trinkwasser-Verordnung (TrinkWV) zum Anlass zu nehmen, die Transparenzverpflichtungen bezüglich der Trinkwasserqualität auch auf Hausbesitzer bzw. die Unternehmer und sonstigen Inhaber („USI“) i.S. TrinkwV festzuschreiben. Die Brücke ist eigentlich einfach, denn die EU-Richtlinie schreibt die Transparenzansprüche der Verbraucher bzgl. Wasser fest. In der öffentlichen Diskussion und in den Fachgesprächen wird bisher immer nur auf die öffentlichen Wasserversorgungsunternehmen, nicht aber auf die Betreiber von privaten Trinkwasserinstallationen, sprich Haus- oder Areal- bzw. Quartiersinstallationen übertragen. Wenn die Verbraucher einen Anspruch auf Kenntnis ihrer Wasserqualität haben, sollte diese Gruppe bei der Informationsbereitstellung nicht ausgenommen bleiben. Aktuell gibt es keine Verpflichtungen, ein regelmäßiges Monitoring der Hausinstallation vorzunehmen. Der Versuch des Umweltbundesamtes mit dem „Water Safety-Konzept für Gebäude“ (s. hierzu auch die Checkliste der PfW auf dieser Web-Seite) vom Dezember 2020 ist offenbar zu schwach.

Vorschlag zur Ausdehnung der Transparenzpflichten

Es sollte im Zuge der Novellierung der TrinkwV auf der Grundlage der Transparenzanforderungen der EU-Trinkwasserrichtlinie über eine Verpflichtung von Hauseigentümern bzw. Vermietern nachgedacht werden, wonach mindestens auf Nachfrage von Mietern bzw. Nutzern die Leitungswasserqualität bezogen auf ausgewählte Parameter untersucht und die Ergebnisse bereitgestellt bzw. ausgehängt werden müssen (ähnlich einem etwaigen „Legionellen-Aushang“). Eine regelmäßige Untersuchung des Zustandes der Installation durch die Hauseigentümer bei bestimmten Bedingungen erscheint geboten. So zumindest bei sensiblen Einrichtungen mit gesundheits- bzw. altersbedingt sensiblen Wassernutzern wie z. B. Kliniken, Kindergärten, Pflegeeinrichtungen etc. Diese Nutzer müssen sich auf die Betriebsqualität durch Eigentümer bzw. Betreiber der Einrichtungen beim Trinkwasser verlassen können. Mindestens beim Auftreten von Auffälligkeiten müsste beim Betrieb (z.B. bei Stagnation, Filterreinigung) eine Umstellung erfolgen oder einem Sanierungsbedarf nachgekommen werden. Mangels Untersuchungspflicht kommen diese Werte und Erkenntnisse aber gar nicht zustande. Dies wäre der Fall, wenn es Informationsansprüche gäbe, weil dann der Handlungsbedarf sichtbar würde. Wenn nicht, wäre alles gut und das Vertrauen der Wassernutzer gestärkt.

Was kann die Politik tun?

Wenn also dem Bundesumweltministerium (BMU) und anderen Ministerien sowie Branchen-Stakeholdern wie auch der Wasserwirtschaft aus ökologischen Gründen daran gelegen ist, die Verbraucher von den Vorzügen des Leitungswasser-Trinkens nachhaltig zu überzeugen, dann sollte ein Interesse daran bestehen, die Unsicherheit und Unwissenheit in Bezug auf die Qualität zu mindern. In diesem Fall müsste die Transparenzanforderung dort ansetzen, wo tatsächlich Nachholbedarf besteht: bei den Hausinstallationen. Unser Lebensmittel Nr. 1, das Trinkwasser direkt aus der Leitung darf von niemandem diskreditiert werden. Dies ist ein Impuls der Partner für Wasser in Richtung BMU und der Politik insgesamt. Es dient zudem als konstruktiver Vorschlag hinsichtlich der Umsetzungsarbeiten des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) bei der TrinkWV. Wer sollte das Wohlergehen der Wassertrinker mehr im Blick haben, als das für Gesundheit zuständige Bundesministerium?!

Siegfried Gendries betreibt u.a. den Blog „Lebensraum Wasser“ wo Sie viele Beiträge rund um das Trinkwasser und unseren Umgang damit nachlesen können.

Novellierung der EU-Trinkwasserrichtlinie: Leichterer Zugang zu sicherem Trinkwasser

Am Dienstag den 23.10. votierte das EU Parlament für die Novellierung der EU-Trinkwasserrichtlinie aus dem Jahr 1998, die schärfere Schadstoffgrenzwerte für das Leitungswasser vorsieht.  So sollen die Grenzwerte für schädliche Bakterien, bestimmte Schadstoffe wie Blei und hormonwirksame Stoffe aktualisiert werden. Für Mikroplastik oder Arzneimittel sind für den Moment keine Grenzwerte vorgesehen, jedoch solle die EU-Kommission deren Konzentration überwachen.

Aus Sicht der Partner für Wasser sollte die EU verstärkt auch den Wasserkreislauf in Gebäuden in den Blick nehmen. Unsere beiden jüngsten Studien zur Trinkwasserhygiene in Schulen oder Krankenhäusern in Deutschland haben beispielsweise ergeben, dass die Trinkwasseranlagen dort oft veraltet und sanierungsbedürftig sind, woraus sich schwerwiegende Gesundheitsgefährdungen ergeben können. In anderen EU-Mitdliedstaaten dürfte es einen ähnlichen Sanierungsbedarf geben.

Des Weiteren soll die Novelle der Trinkwasserrichtlinie dazu führen, dass EU-Bürger mehr Leitungswasser trinken. Die Bürgerinitiative „Right2Water“ hatte sich dafür eingesetzt, allen EU-BürgerInnen – insbesondere Minderheiten und benachteiligten Gruppen – den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen. Zudem verspricht sich die Kommission dadurch eine erhebliche Einsparung von Plastikmüll.

Mit der Resolution des EU-Parlaments geht der Kommissionsentwurf zur Novellierung der EU-Trinkwasserrichtlinie nun in den Trilog zwischen Parlament, EU-Staaten und der Kommission.

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