Mikrobielle Kontamination von Wasser aus zahnärztlichen Behandlungseinheiten: Eine Querschnittsstudie in Hessen 2013

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Diese Studie stammt zwar bereits aus dem Jahre 2013. Sie hat aber nach wie vor Gültigkeit und wir verweisen darum in unserem Blog darauf. Die Partner für Wasser haben sich in einer eigenen Studie/Umfrage der Situation in Zahnarztpraxen und -kliniken gewidmet.

Die hier seitens des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamtes im Gesundheitswesen (Zentrum für Gesundheitsschutz Dillenburg) durchgeführte Studie beschäftigt sich mit der mikrobiologischen Qualität des Wassers aus zahnärztlichen Praxen in Hessen. Insgesamt wurden 90 Proben aus dem jeweiligen Kühl- und Betriebssystem entnommen. Der Anteil der positiven Proben war relativ hoch. Die kontaminierten Proben wiesen zudem einen hohen KBE-Wert auf 100ml Flüssigkeit auf.

Das HLPUG wörtlich: „Unsere Daten belegen, dass eine mikrobielle Kontamination der wasserführenden Systeme von Dentaleinheiten trotz technischer Fortschritte weiterhin häufig ist. Eine routinemäßige mikrobiologischen Untersuchung kann dazu beitragen, Kontaminationen frühzeitig zu erkennen und Sanierungsmaßnahmen zeitnah einzuleiten.“

Beginn der Urlaubszeit – Legionellenwachstum vorbeugen

Problematik

Zur Eindämmung des Corona-Virus waren Hotels, Schwimmbäder, Sporteinrichtungen, Teile von Altenheimen oder Krankenhäusern über Monate (teilweise) geschlossen. Die sukzessiven Lockerungen der einzelnen Bundesländer und der Bundesregierung sowie der Ferien- bzw. Urlaubsbeginn sorgen aber nun dafür, dass diese wieder geöffnet haben und dementsprechend auch genutzt werden.

Getroffene Vorkehrungen

Alle Betreiber sind in der Pflicht, auch während einer vorübergehenden Schließung der Einrichtungen – wie dies nun der Fall war – einen einwandfreien Betrieb der Trinkwasseranlage sicherzustellen. Im Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch Instituts wird darauf hingewiesen, dass es bei einer nicht sachgemäßen Wartung zu einem erhöhten Legionellenwachstum in den betreffenden Trinkwasseranlagen gekommen sein kann. Durch das Einatmen erregerhaltiger Aerosole, wie sie beispielsweise bei der Nutzung von Duschen oder Wasserhähnen einer Trinkwasseranlage mit erhöhter Legionellenkonzentration entstehen, können insbesondere abwehrgeschwächte Menschen an einer Lungenentzündung – der sogenannten Legionärskrankheit – erkranken. Sollten respiratorische Symptomen auftauchen, sollte eine entsprechende Testung durchgeführt wird.

Wichtige Maßnahmen zur Wiederöffnung

Neben den Maßnahmen zur und während der Außerbetriebnahme von Trinkwasserinstallationen, müssen die Betreiber von Hotels, Schwimmbädern etc. im Vorfeld der Wiedereröffnung, sprich der Inbetriebnahme, eine Reihe an Maßnahmen ergreifen (wir berichteten bereits):

„Die Maßnahmen vor Wiederinbetriebnahme einer Trinkwasseranlage sind in den bekannten Technischen Regelwerken beschrieben – u. a. in den Richtlinien DIN EN 806-5 und VDI 6023 sowie in den Arbeitsblättern W551 und W557 des Deutschen Vereins des Gas und Wasserfaches (DVGW). Hinweise zu gesundheitlichen Aspekten von Trinkwasserinstallationen finden sich auch im Umweltbundesamt-Ratgeber „Trink was – Trinkwasser aus dem Hahn“.

 

Der Verband Partner für Wasser e.V. setzt sich für den Erhalt und die Verbesserung der Trinkwasserhygiene im Healthcare-Bereich ein. Insbesondere in Krankenhäusern, Pflegeheimen, schulischen Einrichtungen, wo ein hohes Maß an Hygiene und Sicherheit gewährleistet sein muss, kommt es auf beste Produkte und Werkstoffe an.

Covid-19: Außer- und Inbetriebnahme von Trinkwasserinstallationen

Sukzessive haben Bund und Länder Ausgangsbeschränkungen eingeführt, um Menschenansammlungen zu verhindern, die zu einer zu großen Anzahl an Neuinfektionen in zu kurzer Zeit geführt hätten. Weitere Maßnahmen zur Eindämmung des Virus sind unter anderem temporäre Schließungen von Einrichtungen wie Schulen, Kindertagesstätten, Sportstätten, Hotels und anderer gewerblich und öffentlich Benutzer Gebäude.

Welche Auswirkungen haben diese temporären Schließungen auf die Trinkwasserinstallationen und was sollte man für die spätere Inbetriebnahme beachten?

Außerbetriebnahme:

  • Risiko: Es kommt zu einem unregelmäßigen Wasserdurchlauf, der die Gefahr einer mikrobiellen Verkeimung mit Legionellen und anderen pathogenen Keimen im Trinkwasser stark erhöht.
  • Pflicht: Auf Basis der Trinkwasserverordnung, muss trotz derzeitiger Nicht-Nutzung der Trinkwasserinstallationen permanent sichergestellt werden, dass eine bestimmungsgemäße Nutzung erfolgt.
  • Maßnahmen: Es gilt, sämtliche Wasserentnahmestellen nach spätestens 3 Tagen aktiv zu durchspülen (Warm- und Kaltwasser). Bei Betriebsunterbrechungen von mehr als 72 Stunden kann die Abschaltung der Trinkwassererwärmungsanlage erwogen werden.

 

Inbetriebnahme:

  • Maßnahme: Nach spätestens einer Woche ist, bei gleichzeitiger Öffnung mehrerer Entnahmestellen, der Wasserdurchlauf von mindestens 5 Minuten zu gewährleisten.
  • Pflicht: Nach maximal 4 Wochen sollte ein vollständiger Wasseraustausch an allen Entnahmestellen durch Spülung mit Wasser nach DVGW-Arbeitsblatt 557 durchgeführt werden. Bei Unterbrechung der Trinkwasserentnahme über diesen Zeitraum sind zusätzliche mikrobiologische Kontrolluntersuchungen (allgemeine Keimzahl) und Legionellen durchzuführen, und zwar sowohl in den Kalt- als auch in den Warmwasserleitungen.
  • Da eine Stilllegung von mehr als 6 Monaten nicht unwahrscheinlich ist, ist sogar die Anschlussleitung durch das dortige Wasserversorgungsunternehmen abzutrennen und zur Wiederinbetriebnahme gemäß DIN EN 806-4 vorzugehen.

 

Mehr Informationen finden Sie unter Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V., Landessportbund Mecklenburg-Vorpommern, Deutscher Verein der qualifizierten Sachverständigen für Trinkwasserhygiene – DVQST e.V.

Parlamentarische Aktivitäten von PfW in Berlin

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Kürzlich waren Vertreter der Partner für Wasser zu Gesprächen auch im Berliner Abgeordnetenhaus. Ziel ist es, für das Land Berlin eine Aussage seitens des Senats zum Stand der Trinkwasserhygiene zu bekommen. Das Thema wurde in Ansätzen bereits im September dieses Jahres adressiert: Der FDP-Abgeordnete Marcel Luthe wollte wissen, wie viele anzeigepflichtige Fälle nach Trinkwasserverordnung es in Berlin von 2014-2019 gegeben hat. Die Antwort ist im parlamentarischen Dokumentationssystem nachzulesen.

Überschreitungen des technischen Maßnahmewertes in den Bezirken

Laut Angabe der Senatsverwaltung kam es allein in den ersten acht Monaten 2019 zu gemeldeten 1.458 Überschreitungen des sog. technischen Maßnahmewertes.  Die Trinkwasserverordnung 2011 legt einen „Technischen Maßnahmenwert“ für die Belastung des Trinkwassers mit Legionellen fest. § 3 Ziffer 9 der Trinkwasserverordnung definiert diesen als einen Wert, bei dessen Überschreiten oder Erreichen eine von der Trinkwasser-Installation ausgehende Gesundheitsgefahr zu befürchten ist. Dementsprechend sind Maßnahmen zur hygienisch-technischen Überprüfung der Trinkwasser-Installation im Sinne einer Gefährdungsanalyse zu treffen.

24 Objekte, wo es zu Überschreitungen kam, befinden sich in mittel- oder unmittelbaren Besitz des Landes Berlin.

73 Legionellose-Fälle bisher in 2019

Insgesamt wurden seitens der Gesundheitsbehörden 83 Fälle mit Verdacht auf Legionellose übermittelt. In 73 ergab auch das klinische Bild den Nachweis. Drei Personen sind bisher an dieser Krankheit lt. Berliner Senat verstorben.

Ziel der Partner für Wasser

Mit einer weiteren Anfrage will Partner für Wasser erreichen, einen besseren Überblick über die Trinkwasseranlagen in den städtischen bzw. landeseigenen Einrichtungen der Daseinsvorsorgen zu bekommen. Wo kommt es z.B. aufgrund des Alters der Anlagen vermehrt zu Havarien? Welche Maßnahmen werden im Rahmen der Prävention regelmäßig eingeleitet? Nicht zuletzt wird es darum gehen, den Fokus auf die Investitionen im Bereich der Trinkwasseranlagen im Gesundheitswesen zu schärfen.

Studie Trinkwasserhygiene im Schulbereich

Das Institut für empirische Sozial- und Kommunikationsforschung (iESK) hat im Auftrag der Partner für Wasser bundesweit über 25.000 Schulen kontaktiert und davon rund 1.000 zum Zustand ihrer Trinkwasseranlage befragt.

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